Name: Jeannine Gmelin
Geburtsdatum: 20. Juni 1990
Ruderin seit: 2003
Ruderclub: Ruderclub Uster, Ruderclub Zürich
Ausbildung: Kauffrau, Profil E
Beruf: Professionelle Ruderin
Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch
Hobbies: alle anderen Arten von Sport, Freunde treffen, ins Kino gehen, reisen, kochen & backen

Meine Ruderwelt

2000 Meter, knapp siebeneinhalb Minuten. Vom Ufer aus wahrgenommen als elegantes Dahingleiten im Einer. Für mich 250 Schläge voller Konzentration und Power, die mich an die Grenze des Erträglichen bringen. Springt die Startampel von rot auf grün, gibt es nur noch mich und mein Boot. Das erste Streckenviertel – Maximumpuls 200 – die Lunge brennt, Laktatschmerzen, wie stechende Nadeln, setzen ein. Halbzeit. Die Stimme, die einem dazu verleiten will, den Schmerzen nachzugeben, wird immer lauter. Ich muss sie ausblenden. Das Boot Schlag für Schlag Richtung Ziel treiben. Fokus auf den Moment, auf meinen Atem. 70% Beinarbeit, 20% Rumpfarbeit, 10% Armarbeit. Das Ende naht und die Schlagfrequenz steigt von etwas über 30 auf fast 40 Schläge pro Minute an. Dann das erlösende Zielhorn. Im ersten Moment gelähmt vor Schmerz, brauche ich ein paar Minuten bis ich einigermassen bei Sinnen bin und mich überhaupt bewegen kann.

Rudern war einst Hobby, dann Leidenschaft und unterdessen ist es mein Beruf. Aufgewachsen in Uster, der Stadt am Wasser, im Zürcher Oberland – zusammen mit meinen drei Geschwistern, war der Greifensee mein zweites Zuhause. Heute ist mein Zuhause überall dort, wo ich dieses unbeschreiblich leichte Gefühl, übers Wasser zu gleiten, erleben kann. Die Suche nach dem perfekten Schlag ist endlos. Sie treibt mich an, man kann fast sagen, ich bin besessen davon. Das Zusammenspiel von Ausdauer, Kraft, Technik und mentalen Skills ist für mich einzigartig und macht meine Faszination für diesen Sport aus.

Das Warten in den Startblöcken auf das „Attention – go“. Die Spannung, die mich umgibt, im Wissen um die vielen Schmerzen, in die ich mich gleich begeben werde. Die Neugierde, wie gut es mir gelingen wird, meinen Rennplan vom ersten bis zum letzten Schlag abzurufen. Und dann, unmittelbar vor dem Startschuss die grosse Dankbarkeit, zeigen zu können, wofür ich jeden Tag hart, mit viel Leidenschaft und kompromisslos arbeite. Der Weg an die Spitze ist herausfordernd. Auf allen Ebenen unabdingbar: Commitment, Herzblut und eiserner Wille. Unvermeidbar: Höhen und Tiefen. Doch das Fernziel ist klar: eine Medaille an den Olympischen Spielen in Tokio 2021.