Weltmeisterschaft und Olympiaqualifikation

Normalerweise schliesse ich meine Berichterstattungen mit dem Dank an alle Beteiligten ab. Diesmal möchte ich diesen vorneweg nehmen, denn hinter mir steht eine ganze Armada an Menschen, die einen riesigen Anteil an meinem Erfolg haben. Die Reihenfolge der Aufzählung hat nichts mit der Wichtigkeit zu tun.
  • Herzlichen Dank an meine Eltern sowie die drei besten Geschwister der Welt dafür, dass ihr oft erst an zweiter Stelle kommt, mich aber immer an die erste Stelle stellt. Ihr, euer Support und eure bedingungslose Liebe seid die Flügel, die mich immer und überall tragen.
  • Herzlichen Dank an Roger Achermann. Du bist der Mann hinter allem und zusammen mit dem Ruderclub Uster bildest du die Basis für meine Erfolge und ermöglichst mir den Spitzensport ohne Einschränkungen betreiben zu können.
  • Herzlichen Dank an René Pfister und Denise Hadorn der Strategiefabrik für die konzeptionelle und ideelle Unterstützung in allen Marketing-, Strategie- und Sponsoringfragen.
  • Herzlichen Dank all meinen Freunden, Kollegen und Bekannten. Eure Nachrichten, ermutigenden Worte und euer Glaube an mich überwältigt mich immer wieder auf’s Neue und geben mir sehr viel Kraft.
  • Herzlichen Dank an meinen aktuellen Trainer Tim Dolphin, der seit dem ersten Tag unserer Zusammenarbeit an mich glaubt und sich unermüdlich für mich einsetzt. Der weiss wann er mich pushen muss, aber mich dennoch nicht im Stich lässt, wenn ich Unterstützung brauche. Einen genauso herzlichen Dank an alle Trainer und Bezugspersonen, die einen Teil des Weges mit mir gegangen sind und dazu beigetragen haben, dass ich heute da stehe wo ich bin. Dazu gehören Christian Iseli, Peter Mansfeld, Sven Ueck, Anne-Marie Howald, Edouard Blanc, Ueli Bodenmann und Daniel Birrer.
  • Herzlichen Dank an Frédérique Rol und Patricia Merz dafür, dass ihr die besten Teamkolleginnen seid, die ich mir wünschen könnte. Euer Humor – egal in welcher Situation – und euer Ehrgeiz beeindrucken mich immer wieder. Ihr seid zu guten Freundinnen und zwei wichtigen Menschen in meinem Leben geworden.
  • Herzlichen Dank an meine Sponsoren, die mit ihrer finanziellen oder materiellen Unterstützung dafür sorgen, dass ich mich ganz auf das konzentrieren und fokussieren kann, was wirklich wichtig ist – das Training.
  • Herzlichen Dank an alle, die mit ihrem Beitrag mein IBIY-Projekt unterstützt und mir somit den Kauf meines eigenen Bootes ermöglicht haben haben.
Was für ein Jahr! Die Saison 2015 hat mich stets auf’s Neue überrascht und vor allem all meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Die vielen Erlebnisse und Erfahrungen hätten wohl auch gut und gerne für zwei Jahre gereicht, aber diese Intensität an verschiedenen Eindrücken und Herausforderungen sind gewichtige Gründe warum ich den Sport so liebe. Nie ist das Leben echter und zeigt sich in seiner ungeheuren Vielfalt als wenn man sich ihm ganz hingibt und in meinem Fall sich vielleicht auch ein bisschen absichtlich damit konfrontiert. Nach meiner überraschenden Silbermedaille an der Europameisterschaft hatte ich geglaubt, dass die Saison kaum mehr besser werden kann. Oh, wie ich mich getäuscht habe! Obwohl ich an allen drei Weltcups solide Leistungen zeigen konnte, fehlte mir doch immer das nötige Etwas um sagen zu können, dass ich zufrieden bin. Es ist mir zwar gelungen immer innerhalb der ersten 9 Boote – diese Rangierung war ja an der WM notwendig um die Qualifikation für die olympischen Spiele in der Tasche zu haben – zu platzieren, was eine nicht all zu schlechte Ausgangslage war mich aber dennoch unter einen gewissen Druck setzte. Rückblickend war das wohl genau was es gebraucht hat, denn dadurch habe ich mich über einige – vermeintlich vorhandenen – Grenzen hinweggesetzt. Die Reise nach Aiguebelette trat ich sehr erholt , mit der nötigen Portion Selbstvertrauen und ganz viel Vorfreude an. Vorfreude auch darum, weil ich wusste, dass mich dort das Paradies erwarten würde.  Auch wenn die Strecke windanfällig und vor allem bei Seitenwind schwer zu rudern ist, habe ich bis jetzt noch keine schönere Strecke kennengelernt. Die Voraussetzungen um in die WM-Woche zu starten, hätten also nicht besser sein können. Auch wenn ich mich als geduldigen Menschen bezeichne, war ich froh als das Warten endlich ein Ende hatte und ich das lang ersehnte „Attention GO“ hörte. Den Vorlauf wie auch den Viertelfinal konnte ich mit relativ geringem Aufwand rudern und qualifizierte mich so sicher für’s Halbfinale. Dort berechtigte Rang eins bis drei für den Einzug ins A-Finale zudem winkte die vorzeitige Sicherheit den Quotenplatz für Rio 2016 in der Tasche zu haben. Rang vier bis sechs wurde ins B-Finale verwiesen. Dort erhielt dann abermals Rang eins bis drei einen der hart umkämpften Quotenplätze. Tag X war also da. Der Tag, auf den ich die letzten drei Jahre hingearbeitet und dem ich alles untergeordnet habe. Dementsprechend war die Anspannung, Nervosität und auch der Druck riesig. An diesem Tag X will ich in der Form meines Lebens sein, habe ich immer gesagt. Ich war es – und zwar auf allen Ebenen. Körperlich, mental, technisch und psychisch. Diese Gewissheit hat mir geholfen an mich zu glauben und schlussendlich im entscheidenden Moment meine Bestleistung abzurufen. Ich erwischte einen ausgezeichneten Start und kämpfte mich während der zweiten Streckenhälfte vom anfangs dritten auf den zweiten Zwischenrang und gab diesen bis ins Ziel nicht mehr ab. Ich hatte es also geschafft. Die Olympiaquali war Tatsache und mein Traum von Rio geht in Erfüllung. Rang zwei im Halbfinale bedeutete auch, dass ich es zum ersten Mal in ein WM-Finale geschafft hatte. Sozusagen zwei Fliegen auf einen Schlag. Für die Gefühle, welche ich in diesem Moment und für die nächsten paar Tage gespürt habe, fehlen mir die Worte. Auf jeden Fall befand ich mich erst mal in einem kompletten Gefühlsoverload. Ich war nicht mehr fähig Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten. Die nächste Herausforderung bestand also darin mich wieder zu sammeln und mich vor allem mental auf das Finale einzustellen. Mich so gut wie möglich zu erholen war die Devise, da die Ausgangslage im Kampf um die Medaillen sehr offen war. Ich wollte alles versuchen um dort ein Wörtchen mitzureden. Auf der ersten Streckenhälfte gelang mir dies auch hervorragend. Ab Rennmitte kam aber zunehmend Gegenwind auf und ich wurde dadurch technisch etwas unsauber. Durch den Wind fehlte mir auch die nötige Power um das Tempo der ersten drei Boote mitzugehen. Unweit vor dem Ziel blieb ich dann auch noch mit dem Ruder an einer Boje hängen. Alles in allem waren dies zu viele Faktoren, die mich beeinträchtigt hatten und so fehlten mir rund 4 Sekunden zum Podest und es schaute für mich der fünfte Schlussrang heraus. Auch wenn ich nicht sagen kann, dass ich im Finale ein Toprennen gefahren bin, darf ich auf keinen Fall unzufrieden sein. Bin ich auch keineswegs. Viel mehr weiss ich jetzt, dass ich bis nächsten Sommer noch an den zweiten 1000 Meter arbeiten muss. Ich bin nach wie vor überwältigt von dieser WM und könnte mit dem Saisonende nicht glücklicher sein. Ganz nach dem Motto: das Beste kommt zum Schluss. Nun stehen ein paar Tage Ruhe, Entspannung und Genuss auf dem Programm. Ziel wäre es, dass ich während dieser Zeit nicht mal ans Rudern denke. Dafür ist es aber bereits zu spät, denn ich ertappe mich immer wieder dabei wie ich schon ganz ungeduldig auf den Zeitpunkt warte wo alles von vorne beginnt und ich offiziell mit der Vorbereitung für die olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro starten darf, denn ich will hoch hinaus und dafür wird wieder steinharte und kompromisslose Arbeit sowie eiserner Wille notwendig sein.