Schweizerrekord, Olympia-Trials und Saisonstart

Obwohl die Zeit am anderen Ende der Welt bereits mehrere Wochen, ja schon knapp zwei Monate zurück liegt, sind die Erinnerungen daran noch immer sehr präsent. Das Einleben zurück in der Heimat war happig. Die kalten Temperaturen, die fehlende Sonne sowie der Jetlag haben die ersten paar Tage zu einer regelrechten Tortur gemacht und dass wir nur gerade eine Woche Zeit hatten, bevor wieder volle Leistung gefragt war, hat sicherlich auch seinen Teil dazu beigetragen. Ändern konnte ich an der ganzen Lage aber nichts, so war die Devise ziemlich simpel: auf die Zähne beissen. Die Swiss Rowing Indoors habe ich dann trotz allem erstaunlich gut hinter mich bringen können. Auch wenn die Beine weit entfernt vom vollen Leistungspotential waren, konnte ich ein sauberes Rennen hinlegen und den zwölf Jahre alten Schweizerrekord knacken. Einziger Wermutstropfen dabei, dass es mir nicht in einer persönlichen Bestzeit gelang. Die Freude war trotzdem gross und viel Zeit um mir darüber einen Kopf zu machen, hatte ich ohnehin nicht. Denn schon tags darauf standen zwei Rennen über sechs Kilometer an. Auch dort gelangen mir, unter den gegebenen Umständen und bei doch zügigem Gegenwind, zwei solide Rennen. Abermals blieb nur wenig Zeit für Erholung, denn bereits eine Woche später, trat ich die Reise nach Corgeno an. Dort wurden die verbandsinternen Olympia-Ausscheidungsrennen ausgetragen. Ich konnte meine Position im schweren Frauen Einer souverän bestätigen und wurde aufgrund dessen vom Schweizerischen Ruderverband auch für die Saison 2016 als Einerfahrerin selektioniert. Nachdem diese Entscheidung kommuniziert wurde, war ich natürlich sehr glücklich und auch in gewisser Weise erleichtert. Denn dies bedeutete für mich, dass ich meine Vorbereitungen im Hinblick auf die Olympischen Spiele offiziell aufnehmen durfte. Und es ging auch gleich richtig zur Sache. In einem kurzen, aber extrem harten Trainingslager, welches wir ebenfalls in Corgeno verbracht haben, begann der erste Block an Training für den Start am Weltcup in Varese. Diesen Vorbereitungsphase haben wir vor wenigen Tagen beendet und auch wenn ich vor allem gegen Ende manchmal nicht mehr wusste ob ich nun stehen, sitzen oder liegen soll damit nichts schmerzt, habe ich während diesen vier Wochen in vielerlei Hinsicht grosse Fortschritte erzielen können. Das Spektakuläre an dieser Phase war, dass es eigentlich nichts spektakuläres gab. Es ging schlichtweg darum das Notwendige zu tun oder es in den Worten meines Trainers zu sagen „to put in the work“ und dazu gehören viele, viele Kilometer auf dem Wasser und dem Ergometer. So komisch das nun klingen mag, aber mir hat gerade dies geholfen um meine – während den Herbst und Wintermonaten – etwas eingeschlafene Leidenschaft wieder neu zu entfachen. Dass ab und zu gar Frühlingsgefühle aufkommen konnten, aufgrund des warmen Wetters, hat allenfalls auch dazu beigetragen. Auf jeden Fall bin ich nun ready und kann es kaum erwarten bis es in wenigen Tagen am Weltcup in Varese zur Sache geht. Es sind 24 Frauen Einer gemeldet. Dies verspricht also spannende Rennen. Für mich ist es ein erster Formtest und gleichzeitig geht es auch noch darum die von Swiss Olympic geforderte Leistungsbestätigung, welche für die definitive Selektion zu den Olympischen Spielen notwendig ist, zu erbringen. Im Anschluss an den Weltcup folgt ein weiterer Trainingsblock, den wir in Varese absolvieren werden und der uns auf die Europameisterschaften in Brandenburg vom 7./8. Mai 2016 vorbereiten wird.