Back to reality

Die Olympischen Spiele liegen bald zwei Monate zurück und mit Abstand betrachtet, ergibt sich genauso ein spannendes Bild wie dasjenige, welches ich hatte als ich direkt vor Ort war. In meinem Blog für annabelle.ch habe ich hautnah berichtet und wer gerne nochmals nachlesen möchte, was ich alles erlebt habe, kann dies unter folgenden Links tun:  Beitrag 1: http://www.annabelle.ch/leben/sport/sportliche-gr%C3%BCsse-aus-rio-de-janeiro-43545 Beitrag 2: http://www.annabelle.ch/leben/sport/begleitet-wind-wellen-rio-43626 Beitrag 3: http://www.annabelle.ch/leben/sport/grosses-finale-rio-43668 Beitrag 4: http://www.annabelle.ch/leben/sport/wahren-helden-rio-43708 Dem Olympischen Dorf wird vieles nachgesagt. Zurecht. Es ist ein ganz spezieller Ort und hat mich rückblickend vieles gelehrt – es ist eine Welt in der Platz ist für eine unglaubliche Vielfältigkeit und Raum für Individualität bleibt. Einen Durchschnitt gibt es nicht, alles existiert in einer extremen Form. Dies beginnt beim Überangebot an Services und Freizeitangeboten und geht über das riesige Fitnesscenter bis hin zu den verschiedenen Körpern die man sieht. Männer die kleiner sind als Frauen und Frauen, die stärker sind als Männer. Niemand entspricht einem Idealbild und trotzdem macht es den Eindruck als wären alle zufrieden damit wie sie sind. Erst rückblickend ist mir aufgefallen, dass ich persönlich während den Olympischen Spielen auf eine gewisse Art und Weise mit meinem Körper Frieden geschlossen habe. Nicht, dass ich mit ihm auf Kriegsfuss gestanden hätte, aber ich war zum allerersten Mal sehr froh darüber, dass ich genau den Körper erhalten habe den ich nun mal besitze, denn er hat mich dorthin gebracht wo ich jetzt bin.  Etwas anderes was mich am Olympischen Dorf auch so fasziniert hat, ist die Tatsache, dass obwohl wir Sportler uns ja im Wettkampf direkt miteinander vergleichen im Olympischen Dorf dieser ständige Konkurrenzkampf inexistent war. Der Umgang untereinander war von gegenseitigem Respekt geprägt und für mein Empfinden lag so ein gewisses Grundverständnis in der Luft – jeder wusste wie viel  im Vorfeld hatte investiert werden müssen um es unter die Besten der Besten zu schaffen. Diese Atmosphäre hat bei mir bei jeder Rückkehr ins Olympische Dorf das Gefühl von „nach Hause“ kommen ausgelöst, obwohl ich im Dorf nur einen winzigen Bruchteil an Leuten überhaupt gekannt habe oder die Zimmereinrichtung nicht meiner persönlichen Wahl entsprochen hat. Im Gegenzug habe ich die Zeit ohne sportliche „Verpflichtungen“ auch als sehr speziell erlebt. Als erstes ist mir aufgefallen wie stark mein Fokus während den letzten paar Jahren gewesen sein muss. Auf der Ebene von materiellem Verzicht, sprich eingeschränkte Freizeitaktivitäten beispielsweise, wusste ich, dass ich mich selber stark einschränkte und dies war auch eine bewusste Entscheidung. Dass ich mich aber auch auf der zwischenmenschlichen Ebene – eher unbewusst – deutlich einschränkte, habe ich erst während meiner „OFF-Zeit“ bemerkt. Für meine Urlaubszeit habe ich mir explizit vorgenommen das Wort „Olympia“ und alles was damit im Zusammenhang steht stark in den Hintergrund rücken zu lassen. Ich war es gewohnt, dass mein erster Gedanke morgens und mein letzter Gedanke abends die Olympischen Spiele waren und natürlich standen die meisten Gedanken dazwischen auch in diesem Zusammenhang. Die ersten paar Wochen ertappte ich mich mehrmals dabei wie ich morgens aufstand, an die Olympischen Spiele dachte, um dann zu realisieren, dass ich eigentlich an nichts denken sollte. Anfangs war das hart. Ich fühlte mich unvollständig und diese bewusste Ziel- sowie Planlosigkeit liess mich verloren wirken. Mit der Zeit konnte sich mein Kopf aber immer mehr entspannen und die anfängliche Hilflosigkeit wich einer gesunden Gelassenheit. Ich konnte es sogar geniessen einerseits ziemlich uneingeschränkt tun zu können worauf ich gerade Lust hatte und andererseits nicht überlegen zu müssen, ob was ich gerade tue nun zielführend ist oder nicht. Vom einen Extrem ins andere – in der nächsten Zeit werde ich versuchen die Gratwanderung zwischen den beiden Welten vom exzessiven Fokus und dem „dolce far niente“ zu gehen und diese beiden in einer gesunden Balance zu halten. An dieser Stelle gibt es einen wichtigen Punkt mit dem alles steht und fällt: meine Familie, mein Freundeskreis und mein näheres sowie weiteres Umfeld. Worte um meine Dankbarkeit auszudrücken dafür, dass ihr diesen Weg mit mir geht – egal in welcher Welt ich mich gerade bewege – habe ich nicht, aber ich danke euch aus tiefstem Herzen und freue mich alle weiteren Abenteuer. YOU GUYS ROCK!